Ein Wort zu Beginn...

- Gedanken über den Sinn und Unsinn des Schülerlebens -

von André Merle

Endlich! Es ist geschafft! Dreizehn Jahre Indoktrination und Bildungsnotstand sind (fast) überstanden und eine niveaulose Meute lebenshungriger Abiturienten ist bereit, auf die Zivilisation losgelassen zu werden. Jegliche Hemmungen, Anstand und gutes Benehmen, die gesamten, in den letzten Jahren notdürftig andressierten Eigenschaften wie logisches Denken, Disziplin und Gehorsam werden abgelegt; allein reiner, unverfälschter Idealismus leitet die neue Generation auf ihrem Weg in eine ungewisse Zukunft. - Gott steh uns bei!
Nein, sie sehen hier keine Horrorvision eines desillusionierten Schulabgängers, der versucht, das ach so schöne Bild der Wirklichkeit unserer hochgelobten Leer- / Lehranstalt zu beschmutzen.
Dies ist die Wahrheit über die "Zukunft der Nation", die sich, nachdem sie sich durch die Schule beschissen hat, durchs Studium bescheißen wird und danach auch durchs ganze Leben.
Doch warum soviel Pessimismus, wo doch alles so gut angefangen hat? Dumm, unschuldig und naiv traten wir ein in unsere vielversprechende und hoffnungsverheißende Schülerlaufbahn; schlau, voller Ideale, aber immer noch naiv werden wir sie auch beenden.
Begleitet, geleitet und verleitet wurden wir dabei die ganze Zeit von hochqualifizierten und hochmotivierten Lehrkräften und Pädagogen, die uns trotz eines enorm hohen Arbeitspensums nicht aus unserem ständig anhaltendem Party- und Alkoholdelirium reissen konnten (proportional ansteigend mit zunehmenden Leistungsdruck).
Obwohl schulische Angelegenheiten immer mehr aus dem Zentrum unserer Interessen rückten, gelang es den Lehrern dieser hervorragenden Bildungseinrichtung dennoch, uns zu verantwortungsbewußten, mündigen und sozialen Bürgern zu erziehen.
Doch was wird uns erwarten, in diesem fortschrittlichen, von unserem Bundeshelmut so großartig propagierten "Vereinten Europa"?
Wird uns in einem von der "Nach-uns-die-Sintflut-Mentalität" geprägten Land die Gnade der späten Geburt etwa zum Verhängnis?
Die Welt liegt uns zwar zu Füßen, Wirtschaft und Umwelt jedoch am Boden.
Was soll's? Zurück zur alten Wirtschaftswundermentalität; Innovationsgeist, Kreativität und Mut zum Risiko sind gefragt im anbrechenden multimedialen Zeitalter. Unsere exzellenten Hochschulen beseitigen fehlendes Fachwissen oder mangelnde Kompetenz und auch über mangelnde Arbeitskräfte können wir uns nicht beschweren.
Worauf warten wir noch? Sicher wird bald der eine oder andere Graduent dieses Elite-Gymnasiums die Eigeninitiative ergreifen und in diesem unserem Lande von sich reden machen.

Na dann Prost!